Montag, 19. Dezember 2011

Zack 151: Jirō Taniguchi


"In der Ruhe liegt die Kraft!"


Ein Spruch, der sich nicht nur allzu oft bewahrheitet, sondern auch perfekt auf das Werk des "radikalen Poeten" Jirō Taniguchi passt. Deshalb habe ich den Spruch als Überschrift für einen Taniguchi-Artikel hergenommen. Die Gekigas (anspruchsvolle Mangas) des japanischen Comic-autoren zeichnen sich vor allem durch eine mönchische Zurückhaltung aus.

Taniguchi gilt als erfolgreichster und bester Mangaka und zählt sicherlich auch generell zu den besten Comicautoren überhaupt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass eines seiner Bücher (Vertraute Fremde) gleichnamig verfilmt wurde.

Seine Arbeiten sind inhaltlich wie grafisch eine Mischung aus Graphic Novel und Manga, aber diese Umschreibung wird der thematischen Vielfalt seines Werks nicht zur Gänze gerecht. Die Bücher erscheinen auf Deutsch bei den Verlagen Carlsen und schreiber&leser/shodoku.

In der Januar-Ausgabe des Zack-Magazins (Nr. 151 - 1/2012) erscheint ein dreiseitiger Artikel von mir über das umfangreiche und beeindruckende Werk des Japaners.

"Zackig" ins neue Jahr


Außerdem gibt es einen Artikel über Erich Ohser alias e.o. plauen, dem Schöpfer der bekannten Bildgeschichte Vater und Sohn. Daneben gibt wieder viele Comicserien: zum Beispiel der Wirtschaftsthriller Dantès vom Autoren-gespann Boisserie/Guillaume und dem Zeichner Erik Jusezak oder subtilen viktorianischen Horror in Mr. Hyde gegen Frankenstein II von Dobbs und Antonio Marinetti.

Ein weiteres Highlight ist sicherlich der dritte Teil des prämierten Geschichtstrhillers Es war einmal in Frankreich von Fabien Nury und Sylvain Vallée (schon der Titel ist eine Referenz an Sergio Leones Filmklassiker Once Upon a Time in America).

Vorschau


Hier kann man vorab das Editorial der Zack-Ausgabe lesen. Und wer schon einmal einen Blick in meinen Artikel werfen will, kann das durch Anklicken der unten stehenden Abbildung machen (am besten mit Rechtsklick in einem neuen Tab oder Fenster öffnen und dann mit der Lupe vergrößern) .


Dienstag, 22. November 2011

Neues Comicmagazin: Karacho


Die Macher des Comic Reports scheinen noch nicht ganz ausgelastet zu sein. Volker Hamann, der auch die Reddition herausgibt, und Matthias Hofmann, der auch Chefredakteur bei Splashcomics.de ist, haben für 2012 ein neues Comicmagazin angekündigt, das neue Maßstäbe setzen soll! Hier die Pressemeldung und ein erster Vorgeschmack:

Startschuss und Ausrichtung


Wer sich für das Medium Comic interessiert, bekommt 2012 ein neues Magazin an die Hand, das einen genauen und akzentuierten Überblick über alles aus der Welt der 9. Kunst bietet. Im Juni 2012 erscheint die erste Ausgabe der neuen vierteljährlichen Fachzeitschrift Karacho – Der Comicreporter, einer richtungsweisenden Publikation, die neue Maßstäbe setzt.

Karacho wird einen umfassenden Überblick über den nationalen und internationalen Comic-Markt bieten, verpackt in gut recherchierte, informative, vorbildlich illustrierte Textbeiträge, Übersichten und Nachrichten. Durch die enge Verzahnung mit dem »Comic Report Netzwerk«, dem Jahrbuch Comic Report und dem Internetportal Comic Report Online, wird Karacho stets den Finger am Puls des Geschehens haben.

 
Jede Ausgabe bietet eine Fülle von Informationen und Kaufentscheidungen für das kommende Quartal und hilft dabei, in der Masse der Neuerscheinungen den Überblick zu behalten. Zusätzlich wird es spannende und gut geschriebene Artikel über Comics, ihre Macher und crossmediale Themen (Film, Musik, Buch, etc.) geben.

Fast Facts - Die nackten Fakten


Karacho wird herausgegeben von Volker Hamann und Matthias Hofmann und erscheint in der Edition Alfons als vollfarbiges Magazin mit mindestens 68 Seiten Umfang zum Verkaufspreis von 6,95 Euro.

Vor dem eigentlichen Debüt werden zwei zwölfseitige Nullnummern erscheinen, die kostenlos als PDF zum Download bereitgestellt werden. Mit ihnen kann sich jeder Interessierte einen kleinen Vorgeschmack holen und sich ein besseres Bild von dem neuen Magazin machen.

Die erste Nullnummer erscheint am 22.12.2011.

Weitere Informationen gibt es unter:
Web: www.comic-report.de
eMail: info@comic-report.de


Dienstag, 8. November 2011

Vorschau: Reddition 55


Für all diejenigen, die noch nicht mit der Reddition vertraut sind: "Der inhaltliche Schwerpunkt der Reddition liegt auf der eingehenden Beschäftigung mit Zeichnern, Autoren und Serien europäischer und amerikanischer Comics.

Reddition - wieso, weshalb, warum?


Kernstück jeder Ausgabe bildet das Dossier, in dem neben Interviews und Porträts auch ausführliche Bibliographien zu den vorgestellten Themen veröffentlicht werden. Die Reddition erscheint halbjährlich und ist im Abonnement erhältlich."

Die Reddition wird von Volker Hamann herausgegeben und steigt im Gegensatz zu anderen Fachpublikationen sehr tief in die jeweilige Materie ein. Hamman gibt übrigens auch den Comic Report heraus.

Mit einem Tross an (je nach Thema) wechselnden Autoren entstehen fundierte, analytische und ausführliche Auseinandersetzungen, entweder mit einem bestimmten Comicthema wie dem "Manga" oder einem ausgewählten Comiczeichner wie "Will Eisner".

Bella Italia!


Die Ausgabe 55 beschäftigt sich diesmal mit einem Land: Italien. Und aus dem beliebten Reiseziel der Deutschen stammen einige Comicschwergewichte wie Hugo Pratt oder Milo Manara, aber auch künstlerisch ambitionierte und innovative Comicautoren wie Lorenzo Mattotti, Gipi oder Igort.

Ich habe die Beiträge über Sergio Toppi und Manuele Fior übernommen und damit zwei unterschiedliche Comicautoren aus völlig verschiedenen Generationen vorgestellt.

Einen ersten Einblick kann man durch das Cover (das Motiv stammt von Guido Crepax), das Inhaltsverzeichnis und Teasern zu meinen Artikeln gewinnen. (Durch Öffnen in neuen Tabs vergrößern sich die Abbildungen, so dass man auch den Text lesen kann)







Dienstag, 13. September 2011

Vorschau: Comic! Jahrbuch 2012


Comic, Cartoon und Trickfilm - das sind die traditionellen Schwerpunkte des Comic! Jahrbuchs, das von Burkahrd Ihme vom Interessenverband Comic ICOM herausgegeben wird. Der ICOM vergibt (im Wechsel auf dem Comic-Salon/Comicfestival) außerdem jährlich einen Comicpreis für deutsche Independentcomics.

Deshalb gibt es im Comic! Jahrbuch neben zahlreichen ausführlichen Artikel auch Interviews mit den jeweiligen Gewinnern. Die diesjährige Ausgabe wird sich unter anderem den Verlagsjubiläen (Reprodukt, Edition Moderne, usw.) widmen.

Was hat Goethe mit Comics zu tun?


Von mir stammen diesmal drei Beiträge. In dem Artikel "Deutsch lernen mit Comics. Deutschsprachige Comics beim Goethe-Institut" stelle ich die Internetseite des Goehte-Instiuts vor, die sich auschließlich der deutschsprachigen Comicszene widmet und in seiner Art einzigartig ist.

Die Internetseite kann in zahlreichen Sprachen gelesen werden und trägt neben Ausstellungen und Veranstaltungen des GIs im Ausland dazu bei, dass die hiesige Comicszene in aller Welt bekannt und interessant wird.

Warum Comics (noch) nicht digital gelesen werden


Mein zweiter Artikel "E-Comics Ade?" beleuchtet "Das Ende der New Ground Publishing", einem kurzlebigen Unternehmen, das sich auf die Etablierung und Verbreitung von E-Comics spezialilsiert hatte, aber aus finanziellen Gründen aufgeben musste.

Das Unternehmen förderte durch einen Wettbewerb außerdem deutsche Nachwuchszeichner und veröffenltichte Mangas. Zu seinen Tochterunternehmen zählten Fixundfoxi.de (Rechte zurück), Comicstars.de (aufgelöst) und Mangaka.de (an Carlsen verkauft).

Warum der Reprodukt-Verleger Dirk Rehm ausgezeichnete Arbeit leistet

Zu guter Letzt habe ich ein Interview mit Dirk Rehm, dem Verleger von Reprodukt, geführt. Reprodukt ist ein Verlag, der in erster Linie Graphic Novels und (deutsche) Independentcomics veröffentlicht. Anlass war die Vergabe des bereits erwähnten ICOM-Preises, hier der "Sonderpreis der Jury für eine besondere Leistung oder Publikation".

Die Abbildungen lassen sich leider nicht vergrößern. Als Teaser kann man jedoch hier (Goethe), hier (E-Comics) und hier (Rehm-Interview) reinlesen. Noch mehr Einblicke in die kommende Ausgabe erhält man übrigens im ICOM-Blog.




Freitag, 9. September 2011

Art in Residence: Die Neunte Kunst

Art in Residence - Motto einer Comicausstellung

Am 8. September fand in der Orangerie der Würburger Residenz im Rahmen der jährlichen Art in Residence-Ausstellung ein Comicforum statt. Eine grandiose und stimmungsstarke Location zwischen barocker Klassik und moderner Ausstellungsgalerie.

Die lokalen Comicdealer der Roman-Boutique (Gerd Eibach und Bernhard Sterner) stellten einen Abend auf die Beine, der ganz im Zeichen der Neunten Kunst stand. Anhand der benötigten Stühle kann von bis zu 60 Besuchern gesprochen werden, was eine ordentliche Zahl ist, zumal die Semesterferien noch laufen. Allein von der Größe des Publikums kann die Veranstaltung daher als Erfolg verbucht werden.

Die Orangerie: Außenansicht (durch Anklicken vergrößern sich die Fotos)

Vorgetragen: Kunst im Comic

Nachdem  Gerd Eibach die Besucher Willkommen geheißen und meine Wenigkeit vorgestellt hat, begann auch schon der erste Teil des Abends: mein Vortrag über das Thema "Kunst im Comic", der von einer Powerpointpräsentation getragen wurde.

Darin stellte ich zunächst die charakteristischen ästhetischen Merkmale des Comics als Sequentielle Kunst vor. Anschließend veranschaulichte ich anhand von ausgewählten Comickünstlern und deren Werk wie Comics in rein visueller Hinsicht in der Tradition der Kunstgeschichte oder welche der Ismen der Kunstgeschichte im Werk der jeweiligen Künstlern zutreffen.


Die Orangerie: Innenansicht


Vortrag: Gegenüberstellung von Dave Mckean (links) und Francis Bacon (rechts)


Vortrag: Expressionistische Bildbeispiele von George Pratt

Diskutiert: Comics in Deutschland

Nach einer kurzen Pause, in der die Besucher bei Crèpes, Frankenwein oder Bier angeregt diskutierten, läutete Gerd Eibach dann den zweiten Teil des Abends ein. In einer Runde, die aus Würzburger Comicexperten bestand, wurde in erster Linie diskutiert, warum das Medium Comic in Deutschland einen derart schlechten Stand hat, was man zweifelsohne an den vergleichsweise marginalen Auflagenzahlen ablesen kann.

Dabei war nicht nur Gerd Eibach, sondern auch Bernie Sterner aus der Roman-Boutique, Christian Endres (Redakteur/Rezensent), Christian Neubert (Rezensent), Christopher Franz (Kunsthistoriker) und meine Wenigkeit beteiligt.


Links: Gerd Eibach/Mitte: Kennen wir schon/Rechts: Bernie Sterner der, äh... nein, am Mac


Diskussionsrunde: Sterner, Franz, Eibach, Behringer, Neubert, Endres

Das bunt gemischte Publikum beteiligte sich rege an der Diskussion und stellte interessierte Fragen. Es tut sich was bezüglich des Mediums Comic, vielleicht auch wegen der medial inszenierten Graphic Novel-Welle, was im übrigen auch diskutiert wurde.

Abgesehen von einer nicht ernstzunehmenden kritischen Stimme gab es - zumindest mir gegenüber - ausschließlich positives Feedback zu Vortrag und Diskussionsrunde. Alles in allem ein gelungener Abend wie ich finde, gerne öfter und mehr!

Montag, 5. September 2011

Die Sprechblase 222: Kurzportrait Baru


Die neue Ausgabe der Sprechblase (Nr. 222) ist erschienen. Diesmal u.a. mit einer Würdigung des "Michelangelos der Comics": John Buscema, der zwar "eigentlich Superhelden hasst", dafür aber sehr erfolgreich mit ihnen geworden ist. Sein Werk wird in der Sprechblase ausführlich vorgestellt.

Es gibt aber noch mehr Gründe die neue Sprechblase zu kaufen: neben einem Rückblick auf das Comicfestival München 2011 ist es auch ein Interview mit Comic Report-Chefredakteur Matthias Hofmann.

Baru - Chronist der Außenseiter

Wer meine Rezensionen aufmerksam verfolgt weiß, dass ich den französischen Comicautor Baru stets mit Lob überschütte. Seine Mischung aus Sozialkritik, Satire, Novelle Vague und Sport ist ganz einfach unnachahmlich. Außerdem schätze ich Autodidakten aus Prinzip...

Deshalb hat es mich auch sehr gefreut, dass ich  ein Kurzportrait über Baru für die Sprechblase schreiben durfte. Es ist leider viel zu kurz geworden, weshalb alles nur grob angerissen werden konnte. Hier ist der Scan des Artikels (durch Rechtsclick in neuen Tab/Fenster öffnen!):

Sonntag, 4. September 2011

Zack 147: Nachruf auf Paul Gillon


Wer in der letzten Ausgabe des Zack-Magazins meinen Artikel über das Thema "Kubanische Revolution im Comic" gelesen hat, der hat den italienischen Comiczeichner Stefano Casini mit seinem Geschichtsthriller Hasta la Victoria! ja bereits kennengelernt.

Im neuen Zack (#147) ist nun der erste Teil aus seinem "schnörkellosen Frühwerk" Masken erschienen, das vom Tarantino-Kultfilm Pulp Fiction beeinflusst wurde und grafisch durch einen harten Schwarzweißkontrast auffällt.

Der Meister des leeren Raums

Leider war es ein trauriger Anlass für meinen Beitrag zur Zack-Septemberausgabe: Ich habe einen Nachruf auf den kürzlich verstorbenen französischen Comiczeichner Paul Gillon geschrieben. Gillon war vor allem bekannt durch seine SF-Serie Die Schiffbrüchigen der Zeit (Carlsen). In meinem Buch Der Holocaust in Sprechblasen habe ich übrigens seine Zusammenarbeit mit dem Szenaristen Patrick Cothias analysiert: Der Schrei nach Leben (comicplus+).

Hier ist ein Vorgeschmack auf die Verneigung vor einem klassischen franko-belgischen Zeichner, einem Meister des realistischen Strichs (Vergrößerung des Scans durch Rechtsclick im neuen Tab/Fenster).


Donnerstag, 18. August 2011

Art meets Comic

Man mag es kaum glauben, aber in der mainfränkischen Metropole Würzburg wird im September die Comic-Flagge gehisst.

Im Rahmen einer Kunstausstellung in der Residenz (Weltkulturerbe!) werden auch Comicveranstaltungen durchgeführt. Ich war natürlich sofort begeistert von dem Projekt und habe meine Dienste angeboten. Doch der Reihe nach...

Wieso, weshalb, warum?

Die Stiftung Zukunft Kultur i.Gr. hat sich der Förderung von Kunst und Kultur verschrieben. Sie stellt jährlich regionale Nachwuchskünstler in der Orangerie des Hofgartens unter dem Label Art in Residence aus.

Dieses Jahr wird im September  ein junger Künstler namens Alex Bumblut zu sehen sein, dessen Werke an die Comickunst angrenzen. Deswegen  trat man folgerichtig auch an die Roman-Boutique heran, ob sie nicht Lust hätten Comicveranstaltungen um die Ausstellung herum zu organisieren und durchzu-führen.

Da konnte natürlich niemand "Nein" sagen, im Gegenteil: das ist selbstver-ständlich Ehrensache! Im Rahmen von Art in Residence werden dieses Jahr zwei Sonderveranstaltungen begleitend zur Ausstellung stattfinden, die sich mit Comics befassen. In einem Comic-Forum wird der Comic als "Neunte Kunst" vorgestellt.

Belehrung - Kunst und Comic

Ich werde über das Thema "Kunst und Comic" referieren und dabei eine Brücke von den Ismen der Kunstgeschichte zum Comic schlagen. Dabei will ich das Werk künstlerisch ambitionierter Comicautoren wie Lorenzo Mattotti oder Kent Williams vorstellen und beispielhaft zeigen, das Comics auch kunstvoll wie Malerei bzw. Bildende Kunst sein können.

Erfahrung - Comics live gezeichnet

In einer zweiten Veranstaltung werden zwei Würzburger Comiczeichner live zeichnen. Die Aktion wird per Kamera gefilmt und durch einen Beamer an die Wand projeziert. Ich werde dabei einem der beiden Künstler, Robert Wenzel, zur Seite stehen, ihn anmoderieren und kommentieren. Wer sich vorab schon einmal über das Können des ICOM-Preisträgers machen will, der kann das hier tun.

Das vollständige Programm findet man auf dem Blog der Roman-Boutique. Dort folgen in den nächsten Tagen auch weitere Informationen. Ich würde mich über jeden Besucher freuen!

Dienstag, 2. August 2011

Lektorat bei eidalon


Ich hab' noch gar nicht geschrieben, dass ich inzwischen auch Lektor bin. Also: ich lektoriere für den eidalon Verlag - so jetzt ist es raus.

Was der Verlag, zu dem auch die Imprints Comickat und Modern Tales gehören, gerade so treibt, kann man am besten in einem Interview mit Stefan Pannor (Pressesprecher, Übersetzer, Redakteur) lesen, das Matthias Hofmann für Comic Report Online geführt hat.

Kindercomic Novotopia

Es freut mich, dass mein erstes Lektorat der Kindercomic Novotopia geworden ist. Denn der Autor und Zeichner dieser SF-Fantasy-Serie stammt (wie ein Teil meiner Vorfahren) von den Philippinen. Rod Espinoza ist ein prämierter Kindercomickünstler.

Seine erste bekanntere Arbeit war The Courageous Princess (dt. Die mutige Prinzessin; Comikat). Dieser Kindercomic führte zu Nominierungen beim Ignatz Award 2000 in den Kategorien "Vielversprechendes neues Talent" und "Bester Künstler". 2002 wurde der Titel in der Kategorie "Bester Titel für junge Leser" für den Eisner Award nominiert.


Nun ist Novotopia als E-Comic erschienen. Der erste Band "Die falsche Prinzessin" kann kostenlos heruntergeladen werden. Alle weiteren Titel (bisher Band 2 "Drei tapfere Retter") sind dann kostenpflichtig (1,99 $).

Inhaltlich geht es um den bewährten Kampf "Gut" gegen "Böse" in einem Post-Wissenschafts-Zeitalter, in dem die Magie und die alternative Energie (die Flugschiffe werden mit Windkraft angetrieben!) zurückgekehrt ist. Das Besondere an Espinozas Artwork ist seine Vorliebe für Widescreen-Bilder, die unmittelbar an die Ästhetik aus Animes von Hayao Miyazaki (Prinzessin Mononoke, Chihiros Reise ins Zauberland) erinnern.
Novotopia wurde für den Max-und-Moritz-Preis 2006 in der Kategorie "Bester Comic für Kinder" nominiert. Die Teile 3-5 sind übrigens auch schon lektoriert und dürften demnächst erscheinen.

Donnerstag, 21. Juli 2011

Zack-Artikel über Kuba-Comics


Das neue Zack-Magazin (Zack 8/2011 (#146)) ist erschienen - und damit verbunden: mein Debüt im traditionsreichen Comicmagazin. Mit dem Artikel "Viva la Revolución!" stelle ich "Die Kubanische Revolution im Comic" auf knapp über zwei Seiten vor. Unten ist die erste Seite als Teaser (zum Vergrößern des Scans bitte Rechtsclicken und dann im neuen Tab/Fenster öffnen).

Außerdem gibt es neben zahlreichen exklusiven Serien (für jeden Geschmack ist etwas dabei) einen interessanten dreiseitigen Artikel "Über Freud und Leid eines Comic-Übersetzers" sowie ein fast vierseitiges Special über "Graphic Novels", indem Graphic Novel-affine Macher wie Jutta Harms (graphic-novel.info), Uwe Garske (edition52) oder Ralf Keiser (Carlsen) in einem Crossover-Interview über die "Chance für den Comic zu mehr Akzeptanz" debattieren.

Das Zack-Magazin erscheint monatlich und kostet 7,90 Euro.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics

Der Tagungs- bzw. Sammelband Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics wird zum Comicfestival München (23. bis 26. Juni, www.comicfestival.de) erscheinen und dort vorgestellt.

Die gleichnamige Tagung fand in der Evangelischen Akademie in Bad Boll vom 29. bis 31. März 2010 statt. Mehr als 20 namhafte ExpertInnen deckten mit ihren Vorträgen und Workshops die Bereiche Geschichte, Theorie, Forschung und Praxis ab.

Im interdisziplinären Rahmen wurden Inhalte, Funktionen, Mechanismen und Wirkungen der Comics von Rechts, der Comics gegen Rechts und von Geschichtscomics mit NS- und Holocaust-Thematik vorgestellt und diskutiert sowie modellhaft Möglichkeiten für die Bearbeitung des Themas und den zielgruppenadäquaten Einsatz entsprechender Comics in Schule und politischer Bildung erarbeitet.

Hier ist ein Bericht über meinen Vortrag, den ich gehalten habe, hier ist der Tagungsbericht der ComFor (Gesellschaft für Comicforschung) und hier ein Artikel von Der Tagesspiegel.

Mein Beitrag ist ein Aufsatz zu dem Thema  „Geschichte des Antisemitismus in Comics“.

Anhand von Dave Sims Judenhass und Will Eisners Das Komplott. Die wahre Geschichte der Protokolle der Weißen von Zion stelle ich darin paradigmatisch „Didaktische Kriterien zur Prüfung der Tauglichkeit für den Schuleinsatz“ (Titelzusatz) heraus.

Generell kann der Band am Besten direkt über den Online-Shop des Archivs der Jugendkulturen bestellt werden sowie über die üblichen Literatur-Internetversandseiten und den Buchhandel (einfach die ISBN-Nr. angeben).

Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics, Ralf Palandt (Hrsg.), ca. 450 Seiten, durchgängig farbig illustriert, Hardcover, 36,- €, ISBN 978-3-940213-62-4


Freitag, 6. Mai 2011

Teaser auf den Comic Report

Endlich ist es soweit! Der Comic Report kann ab nächster Woche in den Comicläden eures Vertrauens erworben werden. Das Comic-Jahrbuch ist ein fundiertes Referenzwerk über die sequentielle Kunst und arbeitet im Rückblick das Comic-Jahr 2010 auf.

Im Gegensatz zu vergleichbaren Formaten schließt der Comic Report eine Lücke, indem er die deutschen Verlagen in Marktanalysen unter die Lupe nimmt. Neben zahlreichen kritischen Artikeln zu Events & Jubiläen gibt es auch jede Menge Rezensionen und Interviews. Jeder, der sich mit dem Medium Comic auseinandersetzen will, wird nicht um dieses Fachbuch herumkommen.

Neben Rezensionen habe ich auch einen Artikel über die Comic-Zeitung Comix und Portärts über den Ch. A. Bachmann Verlag sowie über Comicplus+ beigesteuert. Hier sind Auszüge aus meinen Artikeln, quasi als Vorgeschmack. Durch Anklicken vergrößern sich die Abbildungen.

Donnerstag, 5. Mai 2011

"Der Holocaust in Sprechblasen" bald auf Arabisch?

Ich habe von meinem Verlag eine Nachricht bekommen, die darauf deuten lässt, dass mein Buch Der Holocaust in Sprechblasen - Erinnerung im Comic eventuell demnächst in Syrien, Libanon und Ägypten auf Arabisch erscheint. Ich bin da aber noch skeptisch. Mal sehen, was daraus wird.

Diese Anfrage erreichte jedenfalls den Tectum Verlag:

Dear Sir, Ma'am

Hope this email finds you well.
I am writing you to inquire about the rights of these books which published by blue water productions

- Der Holocaust in Sprechblasen by Marco Behringer.

We are  establishing a publishing house in Syria/Lebanon/Egypt, for publishing and translating comic books. The Comic Shop is a publishing house, to be launched in July 2011.


We specialize in publishing comic books in the region. Our aim is to contribute to building the culture of comics in the Middle East as well as translating to Arabic all genres of graphic novels written about our region.

we would like to translate the mentioned books to Arabic, distribute it and make it available to the Arab readers.


Please let me know of the procedures to be taken, in order to make this
happen.

Kindest regards,

Adham Youssef

Freitag, 29. April 2011

Rezension in "Die Sprechblase 221"

Für alle, die das Magazin noch nicht kennen: Die Sprechblase ist ein Comicmagazin über die "Welt klassischer Comics". Für die aktuelle Ausgabe durfte ich eine Rezension beisteuern. Daneben gibt es wieder zahlreiche interessante Artikel, Interviews, Comic-Strips und News.

Schon im Vorwort zu Die Sprechblase 220 hat Chefredakteur Gerhard Förster ein Special über den Luc Orient-Zeichner Eddy Paape angekündigt. Ob der Artikel über die Zeichner-Legende dann aber tatsächlich in Die Sprechblase 221 erscheinen wird, war noch bis vor kurzem völlig unklar.

Nun ist die neue Ausgabe erschienen - und tatsächlich ziert eine Szene aus dem SF-Klassiker Luc Orient das Cover der Sprechblase und kündet damit den Leitartikel über den 90-jährigen Eddy Pappe anlässlich der angekündigten Gesamtausgabe im Ehapa Verlag an.

Mein Beitrag ist eine Besprechung über die Neuauflage von Kamikaze D'Amour von Jamiri, die im Verlag Edition 52 erschienen ist.


Samstag, 23. April 2011

Die Brüder Strugatzki

Hier ist noch ein kleiner Teaser auf meinen Beitrag über die klassischen SF-Autoren Arkadi und Boris Strugatzki für das phantastisch!-Magazin No. 42 (durch Anklicken vergrößert sich der Auszug):

Donnerstag, 7. April 2011

Comic Report vorbestellbar

Es dauert nicht mehr lange und der COMIC REPORT 2011 erscheint endlich. Zwar mit einer kleinen Verspätung (Anfang Mai anstatt April), aber egal! Wer sich nicht gedulden kann oder auf Nummer sicher gehen will, der kann sich jetzt schon vorab ein Exemplar sichern.

Das Jahrbuch, das den Comic durch eine tiefgehenden Marktanalyse, aber auch durch ausführliche Artikel und Rezen-sionen unter die Lupe nimmt, kann ab sofort in der Edition Alfons (bekannt von REDDITION) vorbestellt werden.

Hier ist eine ausführliche Vorschau auf die Rubriken Titel und Dossier (Jerry Spring),  Events und Jubiläen (z.B. mein Artikel "25 Jahre Comicplus+ Durch dick und dünn"), Entwicklungen 2010 (z.B. meine Artikel "Die »Gelbe Reihe« Comicforschung bei Bachmann" und "COMIX: Die Comic-Zeitung. Sammeln oder Wegwerfen?") und Marktanalysen.

Erste Leseproben auf der Online-Seite geben einen Vorgeschmack auf die hohe journalitische Qualität der Texte. Der COMIC REPORT schließt jedenfalls eine Lücke innerhalb der deutsprachigen Comic-Szene und gibt einen Überblick, der in Zeiten des Internets durch einen unsystematischen Datendschungel und unsor-tierte Infoflut herrscht.




Sonntag, 13. März 2011

Mondgesicht

Beim Lesen der Trilogie Mondgesicht von Alejandro Jodorowsky und François Boucq sind mir ein paar erschreckende Parallelen zur Katastrophe in Japan (Erdbeben, Tsunami, Reaktorunfall im März 2011) aufgefallen.

Der Auftaktband "Die unsichtbare Kathedrale" von 1993 (Edition Kunst der Comics) führt den Leser in eine alternative Welt ein. Science Fiction und Mystery treffen hier auf handfeste Sozialkritik. Der Titelheld, ein stummer und unschuldig wirkender Sonderling, entpuppt sich als systemstürzender Rebell, der mit den höheren Mächten und der Natur verbunden zu sein scheint.


Auf der Insel (1. Parallele zu Japan) Damanuestra (vergleichbar mit Lateinamerika) hat sich ein totalitärer Überwachungsstaat installiert. Eine Elite von nihilistischen Katholiken (!) steht hinter einem Diktatorenpaar, das sein Volk überwacht und unterdrückt. Der Verweis auf George Orwells 1984 ist unverkannbar.

Die Insel wird regelmäßig von 100 Meter hohen Flutwellen (2. Parallele zu Japan) heimgesucht, so dass sich die Bewohner von Damanuestra schon darauf eingelebt haben: spezielle Bunker, Schleusen, Schotten und zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen gehören zu ihrem Alltag. Die Führungsriege schottet sich in einem hermitschen Stahlpalast vor den hereinstürzenden Wellen ab.



Die Insel wird zudem von einer abergläubischen Gemeinschaft bewohnt, die regelmäßig auf Walfangjagd (3. Parallele zu Japan) geht, um ihr Fruchtbarkeitszeremoniell zu feiern (Japaner nutzen bekanntermaßen Bestandteile des Wales zur Herstellung von Potenzmitteln). Auch wenn die Meeressäuger hier Teohuacan genannt werden, handelt es sich trotzdem um Wale oder ihnen enorm verwandte Tier.


 
Hinzu kommt, dass die Elite des totalitären Regimes über eine fiktive Energiequelle verfügt,: dem Totranium Trotz der fiktiven Bezeichnung handelt es ich hierbei eindeutig um Kernenergie  (4. Paralle zu Japan) bzw. einer Energieform, die der Atomkraft ähnelt. Die Energie wird hauptsächlich für Waffen verwendet., aber auch zur Stromversorgung Die Brennstäbe werden mit Meereswasser gekühlt, wodurch das Meer rings um die Insel radioaktiv verseucht ist.

Ich möchte den Autoren mit dieser Analyse keineswegs irgendwelche prophetischen oder visionären Fähigkeiten zusprechen. Vielmehr trifft hier leider das Murphy-Gesetz zu: "Alles was schief gehen kann, geht schief". Verblüffend sind diese Parallelen trotzdem allemal.


Abgesehen von diesen verblüffenden Parallelen besticht die Serie durch eine Mischung aus phantastischen Elementen wie man sie sonst von Film-Regisseuren wie Terry Gilliam (Brazil, Twelve Monkeys) oder Jean-Pierre Jeunet (Delicatessen).

Doch die Autoren verlassen niemals vollstänidg den Boden der Realität, sondern bleiben mit ihren expliziten systemkritischen Aspekten stets mit einem Fuß in der Wirklichkeit. Lateinamerika hat sehr viele totalitäre Regierungen (gehabt). Neben V wie Vendetta von Alan Moore zählt Mondgesicht meines Erachtens außerdem zu den besten pop-kulurellen Abhandlungen über Faschismus und Anarchie.

Die ersten beiden Bände ("Die unsichtbare Kathedrale" und "Der Stein der Vollendung") wurden von Edition Kunst der Comics verlegt, Band drei ("Das versteinerte Licht") liegt bei schreiber&leser vor. Der erste Band ist vergriffen und kann leider nur noch in Comic-Antiquariaten bestellt werden - z.B. im Comicmarktplatz oder bei Phantastische Zeiten. Natürlich lohnt sich auch eine Anfrage beim lokalen Comichändler.


Sonntag, 6. März 2011

Der neue Patriot

Der neue Patriot - Die dunkle Seite des amerikanischen Traums hat mir mindestens so gut wie Der letzte Amerikaner, wenn nicht sogar noch besser gefallen. Kein Wunder, die Parallelen zu Alan Moores Meisterwerk Watchmen sind unübersehbar. John Smith und Jim Baikie inszenieren eine Anti-Super-helden-Erzählung, die in Punkto Verweisstruk-turen Watchmen fast in keiner Weise nachsteht.

Dekonstruktion 

Das Szenarion ist 2047 angelegt, erinnert aber eher an das Amerika der 1950er Jahre und stellt ähnlich wie Alan Moores V wie Vendetta eher ein Zerrbild der Gegenwart als eine futuristische Zukunftswelt dar.

Der Staat hat die Genmanipulation so weit getrieben, dass er sich Supersoldaten, so genannten Optmen oder Patrioten, herangezüchtet hat, um unliebsame Drecksarbeiten zu erledigen. Die Superhelden erscheinen wie in Watchmen als nur Übermenschen, die letzten Endes auch ihre Fehler haben. Besonders ein zynischer Charakter, der das Töten als Einziger als lustvoll empfindet und skrupelos zur Tat schreitet, erinnert an den Comedian aus Watchmen.


Polyphonie

Der Autor John Smith verzichtet fast vollsändig auf Action-Szenen. Er gibt selbst an vom Kino beeinflusst worden zu sein. Klassiker wie Sidney Lumets Die 12 Geschworenen, Ethan und Joel Coens Blood Simple oder auch Nicolas Roegs Wenn die Gondeln Trauer tragen hätten Smith' Angaben zufolge am meisten Anteil bei der Strukturierung der Erzählung gehabt. Vor allem Lumets Film trägt entscheidenden Anteil daran, dass viele Sequenzen "am Tisch" stattfinden.

Der Zeichner outet sich als vernarrter  Blade Runner- und Brazil-Fan. Die dystopischen Filme von Ridley Scott und Terry Gilliam werden tatsächlich durch eine ganz eigene Ässthetik getragen.

Das merkt man auch den Illustrationen der Comicserie an, die weniger durch High-Tech und Sci-Fi-Spielereien ins Auge fallen, sondern durch gedämpfte Retro-Optik der 1950er Jahre brilliert.

Bemerkenswert sind in erster Linie die Remniszensen an die Kunstgeschichte, die in die Panels immer wieder auftauchen. Als Beispiel sei hier ein Verweis (rechts unten) auf die surrealistische der Malerei, genauer auf ein Bild von Salvador Dali (rechts oben), aufgeführt.

Wie Alan Moore reichert auch Smith seine Serie mit fiktiven Zusatzmaterial zu seinen Patrioten an: Magazine, Filmkritiken, Artikel und Abteilungsmemos runden die Storys nicht nur ab, sondern werfen zusätzliche Perspektiven auf die Charaktere.

Die fast schon karge und anekdotenhafte Gliederung der Serie erinnnert zudem stark an das Werk von J. G. Ballard, Thomas Pynchon oder William S. Burroughs.

Match Cut

Um die herausragende Qualität der  Serie zu veranschaulichen sei hier auch noch auf eine spezielle Montagetechnik hingewieseen, die eher aus der Filmsprache bekannt ist: Dem so genannten "Match Cut". Im unteren Bildbeispiel sehen wir eine spezielle Parallelmontage. Die Autoren springen zwischen zwei Erzählebenen hin- und her. In diesem Fall verbinden sie die beiden Erzählstränge miteinander, indem sie eine Einstellung wiederholgen. In beiden Fällen weisen die Protagonisten  die gleiche Körperhaltung auf. Ihr Dialog beinhaltet jeweils "Er ist tot".

Der Unterschied liegt in im Licht-Schatten-Effekt: Während das linke Panel das Antlitz des Protagonisten im Dunkeln verbirgt, tritt im rechten Panel das Dunkle in den Hintergrund und wird zum Rahmen. Der Erzähler (der Bruder des Jungen im rechten Panel) schildert sein Erlebnis im Voice-Over-Text im linken Panel und wird bei seiner Schilderung durch die Realität eingeholt, die für ihn einen repetitiven Moment  bedeutet. Die Initiationshandlung, die aus dem Charakter im linken Panel einen neuen Menschen gemacht hat, wiederholt sich durch das schicksalhafte Erlebnis seines Bruders, dessen Fisch gestorben ist.




Die abgeschlossene, fünfbändige Serie kann unter anderem bei diesen Anbietern oder auch hier bestellt werden. Zuvor sollte man jedoch einmal bei seinem lokalen Comichändler nachfragen!

Der letzte Amerikaner

Der letzte Amerikaner, auf Deutsch in zwei Bänden in der Bastei Comic Edition erschienen, hat mir so gut gefallen, dass ich hier ein paar Einblicke in die absurd-groteske SF-Satire geben möchte. Der Anti-Held Ulysses Pilgrim - nomes est omen! - wird ob des drohenden nuklearen Holocausts in einen Tiefschlaf versetzt und erwacht in einer menschleeren, postapokalyptischen Welt, die nur noch von Robotern belebt wird, die nicht müde werden, Produkte zu bewerben.


Motive

Mit Motiven aus der postapokalyptischen SF und der Satire präsentieren Alan Grant, Michael McMahon und John Wagner eine eine aberwitzige und sozialkritische Mixtur, die an die Science Fiction eines William S. Burroughs erinnert. Die Autoren greifen aber auch auf ein altes literarisches Erzählmotiv zurück: Das so genannte "Siebenschläfermotiv", das nicht nur ein beliebtes Motiv der Science Fiction geworden ist. Autoren wie Edward Bellamy (Looking Backward 2000-1887) oder H. G. Wells (When the Sleeper Wakes) haben zum Beispiel auf dieses Motiv zurückgegriffen.



Das Szenario erinnert zudem ganz stark an I am Legend, mit dem besagten Unterschied, das die Autoren lakonische, satirische, absurde und groteske Elemente miteinbeziehen, wodurch eine amüsante Erzählung entstanden ist. Hierzu zählen dem Musical entstehende Songeinlagen, die dem Brecht'schen Theater entsprechen, und von Zombies in grotesk-satirischer Weise vorgetragen werden.


Action-Szenen gibt es so gut wie gar nicht. Der Leser begleitet Pilgrim bei seinen desillusionierten Streifzügen durch das von Tod umwitterte Amerika. Der Erzähltext kommt prosaisch und oft auch philosophisch, mit einem verbittertem Unterton daher:

"Ich krieg es nicht auf die Reihe. Leben, Tod, das Universum, den ganzen, verdammten Schmonzes. Ich meine, es kann kein Unfall gewesen sein. Das Leben hat sich von allen Planeten der ganzen Galaxis hier entwickelt, nur damit ich mitten auf dem Friedhof Amerika alleine dahocke und einen kalten Mond verfluche. Was ist mit den vernunftbegabten Menschen passiert? Waren wir alles nur Stadtaffen? Warum hat Gott das nicht verhindert?"

Parallelmontage

Immer wieder setzten die Autoren auffälligerweise das Mittel der Parallelmontage (siehe die beiden Bildbeispiele oben) ein, um den Brückenschlag aus der (buchstäblich) grauen Vergangenheit in die grauenhafte Gegenwartswelt einer verstrahlten und ausgestorbenen Zuukunft zu schlagen. Die drei quadratischen Panels zeigen die Ereignisse aus der Vergangenheit Pilgrims, die unmittelbar zu dessen Einfrierung geführt haben.

Der zweite Band "Willkommen in der Ewigkeit" beginnt sogar mit einer brillant angelegten Parallelmontage (siehe Bildbeispiel unten). Hier stammen beide Ebenen aus der Vergangenheit: Die Panels in der linken Spalte zeigt das Attentat auf John F. Kennedy und die Panels in der rechten Spalte die Geburt Pilgrims. Auf diese Weise wird der Untergang, der Verfall Amerikas, bereits symbolisch in die Wiege Pilgrims gelegt.

Band 1 ("Der lange Winter") ist z.B. hier und Band 2 ("Willkommen in der Ewigkeit") z.B. hier erhältlich. Doch zuerst empfiehlt sich wie immer der Gang zum lokalen Comichändler!

Sonntag, 6. Februar 2011

Debüt beim Tagesspiegel (Print)

Nach meinem Online-Debüt (mit Peplum) kann ich nun auch mein Print-Debüt beim Tagesspiegel bekannt geben.

Mein Beitrag beschränkt sich zwar nur auf eine kleine (aber knackige) Rezension über Chew - Bulle mit Biss 1 (Cross Cult), aber es freut mich trotzdem enorm.

Hier ist ein Scan  von meinem Text auf der Comicseite  (Tagesspiegel 1. Februar 2011/67. Jahrgang/Nr. 20875, S. 24):























Und hier der Link zur wesentlich ausführlichen Version auf der Online-Seite des Tagesspiegels.

Freitag, 4. Februar 2011

phantastisch! 41: William S. Burroughs

Wie bereits erwähnt, habe ich einen Artikel über William S. Burroughs für die aktuelle PHANTASTISCH!-Ausgabe verfasst.

Nun ist die Ausgabe erschienen und das Magazin kann hier bestellt werden. Unter diesem Link findet man auch eine Inhaltsangabe der 41.ten PHANTASTISCH!.

Hier ist ein kleiner Einblick in mein Manuskript zu meinem 4-seitigen Artikel "Ansichten aus 'Interzone'. Ein Blick auf den Vorreiter von New Wave und Cyber Punk: William S. Burroughs":




Ansichten aus »Interzone«
Ein Blick auf den Vorreiter von New Wave und Cyber Punk: William S. Burroughs

von Marco Behringer 

Prophetischer Visionär oder Rauschgiftgrübler? Hochliterat oder SF-Autor? Kammerjäger oder spiritueller Wortführer? Detektiv oder Homosexueller? Der Mitbegründer der Beat Generation William S. Burroughs ist gar nicht so leicht einzuordnen. Jedenfalls scheiden sich die Geister an seiner Person und seinem Werk sehr häufig. Sicher ist jedoch, dass Burroughs Literaturgeschichte geschrieben hat und die Mehrzahl seiner Werke der Science Fiction zuzuordnen sind, Elemente des phantastischen Genres enthalten oder mit diesem korrespondieren. Die Vertreter des SF-Subgenres »New Wave«, die sich mit ihren Arbeiten bekanntermaßen auf den »Inner Space« richten, sehen sich in legitimer Tradition Burroughs‘ stehen, den sie als ihren geistigen Vorreiter und literarisches Vorbild einordnen.
Alles hat im New York von 1943 angefangen, also in einer Zeit als sich der Bebop eines Charlie Parker und der Abstrakte Expressionismus eines Jackson Pollock zu entwickeln begann. In dieser umwälzenden Atmosphäre der letzten Kriegsjahre kommt es auch zu einer für die Literaturgeschichte folgenschweren Begegnung: Allen Ginsberg und Jack Kerouac, die soeben ihre ersten schriftstellerischen Bemühungen hinter sich gebracht haben, treffen auf den älteren William S. Burroughs. Dieses Trio bildet die Keimzelle der etwas später gegründeten »Beat Generation«, einer literarischen und subkulturellen Undergroundbewegung, die sich vor allen anderen Dingen dadurch auszeichnet, dass sie mit den gängigen literarischen Traditionen und den Werten des bürgerlichen Amerikas bricht.
Während Ginsberg mit seinen kryptischen und radikalen Gedichten und Kerouac mit seiner skizzenhaften und spontanen Prosa ersten literarischen Ruhm und internationale Anerkennung einheimsen können, bleibt Burroughs zunächst noch »El Hombre Invisible«, wie er passenderweise in Tanger aufgrund seiner unpersönlichen Erscheinung getauft wurde – gemeinhin wurde dort nur sein typischer Anzug und sein charakteristischer Hut wahrgenommen. Wer aber ist der Mann, der »Cut-Up« und »Fold-In« als bahnbrechende literarische Methode entwickelte, der den Begriff der »elektronischen Revolution« prägte lange bevor Computer und Internet die heimischen Zimmer erobern sollten und dessen Werk verschiedene Gruppen der Populärkultur beeinflussen sollte?