Freitag, 4. Februar 2011

phantastisch! 41: William S. Burroughs

Wie bereits erwähnt, habe ich einen Artikel über William S. Burroughs für die aktuelle PHANTASTISCH!-Ausgabe verfasst.

Nun ist die Ausgabe erschienen und das Magazin kann hier bestellt werden. Unter diesem Link findet man auch eine Inhaltsangabe der 41.ten PHANTASTISCH!.

Hier ist ein kleiner Einblick in mein Manuskript zu meinem 4-seitigen Artikel "Ansichten aus 'Interzone'. Ein Blick auf den Vorreiter von New Wave und Cyber Punk: William S. Burroughs":




Ansichten aus »Interzone«
Ein Blick auf den Vorreiter von New Wave und Cyber Punk: William S. Burroughs

von Marco Behringer 

Prophetischer Visionär oder Rauschgiftgrübler? Hochliterat oder SF-Autor? Kammerjäger oder spiritueller Wortführer? Detektiv oder Homosexueller? Der Mitbegründer der Beat Generation William S. Burroughs ist gar nicht so leicht einzuordnen. Jedenfalls scheiden sich die Geister an seiner Person und seinem Werk sehr häufig. Sicher ist jedoch, dass Burroughs Literaturgeschichte geschrieben hat und die Mehrzahl seiner Werke der Science Fiction zuzuordnen sind, Elemente des phantastischen Genres enthalten oder mit diesem korrespondieren. Die Vertreter des SF-Subgenres »New Wave«, die sich mit ihren Arbeiten bekanntermaßen auf den »Inner Space« richten, sehen sich in legitimer Tradition Burroughs‘ stehen, den sie als ihren geistigen Vorreiter und literarisches Vorbild einordnen.
Alles hat im New York von 1943 angefangen, also in einer Zeit als sich der Bebop eines Charlie Parker und der Abstrakte Expressionismus eines Jackson Pollock zu entwickeln begann. In dieser umwälzenden Atmosphäre der letzten Kriegsjahre kommt es auch zu einer für die Literaturgeschichte folgenschweren Begegnung: Allen Ginsberg und Jack Kerouac, die soeben ihre ersten schriftstellerischen Bemühungen hinter sich gebracht haben, treffen auf den älteren William S. Burroughs. Dieses Trio bildet die Keimzelle der etwas später gegründeten »Beat Generation«, einer literarischen und subkulturellen Undergroundbewegung, die sich vor allen anderen Dingen dadurch auszeichnet, dass sie mit den gängigen literarischen Traditionen und den Werten des bürgerlichen Amerikas bricht.
Während Ginsberg mit seinen kryptischen und radikalen Gedichten und Kerouac mit seiner skizzenhaften und spontanen Prosa ersten literarischen Ruhm und internationale Anerkennung einheimsen können, bleibt Burroughs zunächst noch »El Hombre Invisible«, wie er passenderweise in Tanger aufgrund seiner unpersönlichen Erscheinung getauft wurde – gemeinhin wurde dort nur sein typischer Anzug und sein charakteristischer Hut wahrgenommen. Wer aber ist der Mann, der »Cut-Up« und »Fold-In« als bahnbrechende literarische Methode entwickelte, der den Begriff der »elektronischen Revolution« prägte lange bevor Computer und Internet die heimischen Zimmer erobern sollten und dessen Werk verschiedene Gruppen der Populärkultur beeinflussen sollte?

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