Sonntag, 6. März 2011

Der letzte Amerikaner

Der letzte Amerikaner, auf Deutsch in zwei Bänden in der Bastei Comic Edition erschienen, hat mir so gut gefallen, dass ich hier ein paar Einblicke in die absurd-groteske SF-Satire geben möchte. Der Anti-Held Ulysses Pilgrim - nomes est omen! - wird ob des drohenden nuklearen Holocausts in einen Tiefschlaf versetzt und erwacht in einer menschleeren, postapokalyptischen Welt, die nur noch von Robotern belebt wird, die nicht müde werden, Produkte zu bewerben.


Motive

Mit Motiven aus der postapokalyptischen SF und der Satire präsentieren Alan Grant, Michael McMahon und John Wagner eine eine aberwitzige und sozialkritische Mixtur, die an die Science Fiction eines William S. Burroughs erinnert. Die Autoren greifen aber auch auf ein altes literarisches Erzählmotiv zurück: Das so genannte "Siebenschläfermotiv", das nicht nur ein beliebtes Motiv der Science Fiction geworden ist. Autoren wie Edward Bellamy (Looking Backward 2000-1887) oder H. G. Wells (When the Sleeper Wakes) haben zum Beispiel auf dieses Motiv zurückgegriffen.



Das Szenario erinnert zudem ganz stark an I am Legend, mit dem besagten Unterschied, das die Autoren lakonische, satirische, absurde und groteske Elemente miteinbeziehen, wodurch eine amüsante Erzählung entstanden ist. Hierzu zählen dem Musical entstehende Songeinlagen, die dem Brecht'schen Theater entsprechen, und von Zombies in grotesk-satirischer Weise vorgetragen werden.


Action-Szenen gibt es so gut wie gar nicht. Der Leser begleitet Pilgrim bei seinen desillusionierten Streifzügen durch das von Tod umwitterte Amerika. Der Erzähltext kommt prosaisch und oft auch philosophisch, mit einem verbittertem Unterton daher:

"Ich krieg es nicht auf die Reihe. Leben, Tod, das Universum, den ganzen, verdammten Schmonzes. Ich meine, es kann kein Unfall gewesen sein. Das Leben hat sich von allen Planeten der ganzen Galaxis hier entwickelt, nur damit ich mitten auf dem Friedhof Amerika alleine dahocke und einen kalten Mond verfluche. Was ist mit den vernunftbegabten Menschen passiert? Waren wir alles nur Stadtaffen? Warum hat Gott das nicht verhindert?"

Parallelmontage

Immer wieder setzten die Autoren auffälligerweise das Mittel der Parallelmontage (siehe die beiden Bildbeispiele oben) ein, um den Brückenschlag aus der (buchstäblich) grauen Vergangenheit in die grauenhafte Gegenwartswelt einer verstrahlten und ausgestorbenen Zuukunft zu schlagen. Die drei quadratischen Panels zeigen die Ereignisse aus der Vergangenheit Pilgrims, die unmittelbar zu dessen Einfrierung geführt haben.

Der zweite Band "Willkommen in der Ewigkeit" beginnt sogar mit einer brillant angelegten Parallelmontage (siehe Bildbeispiel unten). Hier stammen beide Ebenen aus der Vergangenheit: Die Panels in der linken Spalte zeigt das Attentat auf John F. Kennedy und die Panels in der rechten Spalte die Geburt Pilgrims. Auf diese Weise wird der Untergang, der Verfall Amerikas, bereits symbolisch in die Wiege Pilgrims gelegt.

Band 1 ("Der lange Winter") ist z.B. hier und Band 2 ("Willkommen in der Ewigkeit") z.B. hier erhältlich. Doch zuerst empfiehlt sich wie immer der Gang zum lokalen Comichändler!

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