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Dienstag, 10. Januar 2012

Rezension zu "Der Holocaust in Sprechblasen"


Im Band 51, Heft 3-4 des Sonderdrucks Germanistik. Internationales Referatenorgan mit bibliographischen Hinweisen ist eine Besprechung meines Buches Der Holocaust in Sprechblasen - Erinnerung im Comic erschienen.

Kritik

Der Rezensent Jens Birkmeyer kritisiert darin Aspekte, die meines Erachtens zwar stichhaltig, aber eher für Dissertationen und nicht für Magisterarbeiten angebracht wären. Neben einer "zu knappen theoretischen Hinführung zu den Begriffsfeldern" bekrittelt er die "eher dürftigen Überlegungen zur Rezeption dieser Texte".

Lob


Dafür lobt Birkmeyer, "dass das unübersichtliche Feld divergierender Comics gründlich und interessant dargestellt und systematisiert wird".

Die unten stehenden Scans lassen sich wie immer durch Rechtsklick in einem neuen Tab oder Fenster Öffnen, wodurch sie vergrößert werden können.



Würzburger Stadtbuch porträtiert Phantastik-Stammtisch


Die Redakteure des Würzburger Stadtbuches haben unseren Phantastik-Stammtisch 2011 besucht. In der aktuellen Ausgabe des Jahrbuches haben sie unseren Stammtisch, der aus Schaffenden aus den Bereichen Romane, Comics, Illustration und Brettspiele besteht, vorgestellt. Leider hat der Platz nicht ausgereicht um alle Mitglieder vorzustellen.

Clubmitglied

Dennoch ist auf insgesamt sieben Seiten, unter dem Titel "Der Club der Phantastiker. Ein Stammtisch von ganz besonderer Art", ein ausführliches und reich bebildertes Portät unseres illustren Stammtisches entstanden. Unten ist ein Ausschnitt aus dem Artikel, der sich um meine Person dreht und durch Öffnen in einem neuen Tab/Fenster per Rechtsklick vergrößert werden kann. Das Würzburger Stadtbuch kostet 5,80 €.


Rezensionen zu "Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics"


Tagesspiegel


Thomas Greven hat den Tagungsband Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics für den Tagesspiegel besprochen.

Pro

Positiv ist ihm Folgendes aufgefallen:
 
"Es gibt viel zu entdecken, unter anderem zahlreiche Methoden zur Analyse von Comics. [...] Es werden viele nicht im Deutschen vorliegende Werke besprochen, unter anderem weil sich in Deutschland niemand an das Thema Holocaust herantraut."

Contra

Er hat aber auch einiges zu bemängeln:

"Einerseits ist diese Vielfalt erfreulich, andererseits wird es für Leser, die nicht mit den jeweiligen Sprachen vertraut sind, schwierig, mit den Comicausschnitten, die ja zur Illustration von Argumenten dienen, etwas anzufangen."

Fazit

Deswegen hänge letzten Endes "viel vom Betrachter ab, seinem kulturellen und Bildungshinter-grund". Die vollständige Rezension findet man hier.



Die Sprechblase


Eine weitere Besprechung findet sich in der aktuellen Die Sprechblase (Nr. 223), die sich diesmal vor allem dem 50-jährigen Perry Rhodan-Jubiläum verschrieben hat.

Lob

Dort findet sich neben einer durchweg positiven Rezension von Heiner Lünstedt ("dabei dürfte dieses Buch auch dem eher allgemein als speziell interessierten Comicleser einen neuen Blick auf die Möglichkeiten [...] des Mediums eröffnen" oder "Ein wissenschaftliches Buch über Comics und Rechtsextremismus mit beeindruckendem Gewicht von der Anzahl der Seiten wie vom spannenden Inhalt her") auch ein Interview mit dem Herausgeber Ralf Palandt.

Interview

Die Fragen hatte der Chefredakteur Gerhard Förster gestellt. Unten ist die Seite aus der Sprechblase - durch Öffnen in einem neuen Tab/Fenster lässt sich die Abbildung zu einer lesbaren Größe verändern.

Für diejenigen, die vom Tagungsband zum ersten Mal lesen: mein Beitrag ist ein Aufsatz mit dem Titel: "Geschiche des Antisemitismus im Comic - Didaktische Kriterien zur Prüfung der Tauglichkeit von Comics für den Schuleinsatz". Darin analysiere ich Will Eisners "Das Komplott. Die wahre Geschichte der Protokolle der Weisen von Zion" und Dave Sims "Judenhass".


Freitag, 9. September 2011

Art in Residence: Die Neunte Kunst

Art in Residence - Motto einer Comicausstellung

Am 8. September fand in der Orangerie der Würburger Residenz im Rahmen der jährlichen Art in Residence-Ausstellung ein Comicforum statt. Eine grandiose und stimmungsstarke Location zwischen barocker Klassik und moderner Ausstellungsgalerie.

Die lokalen Comicdealer der Roman-Boutique (Gerd Eibach und Bernhard Sterner) stellten einen Abend auf die Beine, der ganz im Zeichen der Neunten Kunst stand. Anhand der benötigten Stühle kann von bis zu 60 Besuchern gesprochen werden, was eine ordentliche Zahl ist, zumal die Semesterferien noch laufen. Allein von der Größe des Publikums kann die Veranstaltung daher als Erfolg verbucht werden.

Die Orangerie: Außenansicht (durch Anklicken vergrößern sich die Fotos)

Vorgetragen: Kunst im Comic

Nachdem  Gerd Eibach die Besucher Willkommen geheißen und meine Wenigkeit vorgestellt hat, begann auch schon der erste Teil des Abends: mein Vortrag über das Thema "Kunst im Comic", der von einer Powerpointpräsentation getragen wurde.

Darin stellte ich zunächst die charakteristischen ästhetischen Merkmale des Comics als Sequentielle Kunst vor. Anschließend veranschaulichte ich anhand von ausgewählten Comickünstlern und deren Werk wie Comics in rein visueller Hinsicht in der Tradition der Kunstgeschichte oder welche der Ismen der Kunstgeschichte im Werk der jeweiligen Künstlern zutreffen.


Die Orangerie: Innenansicht


Vortrag: Gegenüberstellung von Dave Mckean (links) und Francis Bacon (rechts)


Vortrag: Expressionistische Bildbeispiele von George Pratt

Diskutiert: Comics in Deutschland

Nach einer kurzen Pause, in der die Besucher bei Crèpes, Frankenwein oder Bier angeregt diskutierten, läutete Gerd Eibach dann den zweiten Teil des Abends ein. In einer Runde, die aus Würzburger Comicexperten bestand, wurde in erster Linie diskutiert, warum das Medium Comic in Deutschland einen derart schlechten Stand hat, was man zweifelsohne an den vergleichsweise marginalen Auflagenzahlen ablesen kann.

Dabei war nicht nur Gerd Eibach, sondern auch Bernie Sterner aus der Roman-Boutique, Christian Endres (Redakteur/Rezensent), Christian Neubert (Rezensent), Christopher Franz (Kunsthistoriker) und meine Wenigkeit beteiligt.


Links: Gerd Eibach/Mitte: Kennen wir schon/Rechts: Bernie Sterner der, äh... nein, am Mac


Diskussionsrunde: Sterner, Franz, Eibach, Behringer, Neubert, Endres

Das bunt gemischte Publikum beteiligte sich rege an der Diskussion und stellte interessierte Fragen. Es tut sich was bezüglich des Mediums Comic, vielleicht auch wegen der medial inszenierten Graphic Novel-Welle, was im übrigen auch diskutiert wurde.

Abgesehen von einer nicht ernstzunehmenden kritischen Stimme gab es - zumindest mir gegenüber - ausschließlich positives Feedback zu Vortrag und Diskussionsrunde. Alles in allem ein gelungener Abend wie ich finde, gerne öfter und mehr!

Donnerstag, 18. August 2011

Art meets Comic

Man mag es kaum glauben, aber in der mainfränkischen Metropole Würzburg wird im September die Comic-Flagge gehisst.

Im Rahmen einer Kunstausstellung in der Residenz (Weltkulturerbe!) werden auch Comicveranstaltungen durchgeführt. Ich war natürlich sofort begeistert von dem Projekt und habe meine Dienste angeboten. Doch der Reihe nach...

Wieso, weshalb, warum?

Die Stiftung Zukunft Kultur i.Gr. hat sich der Förderung von Kunst und Kultur verschrieben. Sie stellt jährlich regionale Nachwuchskünstler in der Orangerie des Hofgartens unter dem Label Art in Residence aus.

Dieses Jahr wird im September  ein junger Künstler namens Alex Bumblut zu sehen sein, dessen Werke an die Comickunst angrenzen. Deswegen  trat man folgerichtig auch an die Roman-Boutique heran, ob sie nicht Lust hätten Comicveranstaltungen um die Ausstellung herum zu organisieren und durchzu-führen.

Da konnte natürlich niemand "Nein" sagen, im Gegenteil: das ist selbstver-ständlich Ehrensache! Im Rahmen von Art in Residence werden dieses Jahr zwei Sonderveranstaltungen begleitend zur Ausstellung stattfinden, die sich mit Comics befassen. In einem Comic-Forum wird der Comic als "Neunte Kunst" vorgestellt.

Belehrung - Kunst und Comic

Ich werde über das Thema "Kunst und Comic" referieren und dabei eine Brücke von den Ismen der Kunstgeschichte zum Comic schlagen. Dabei will ich das Werk künstlerisch ambitionierter Comicautoren wie Lorenzo Mattotti oder Kent Williams vorstellen und beispielhaft zeigen, das Comics auch kunstvoll wie Malerei bzw. Bildende Kunst sein können.

Erfahrung - Comics live gezeichnet

In einer zweiten Veranstaltung werden zwei Würzburger Comiczeichner live zeichnen. Die Aktion wird per Kamera gefilmt und durch einen Beamer an die Wand projeziert. Ich werde dabei einem der beiden Künstler, Robert Wenzel, zur Seite stehen, ihn anmoderieren und kommentieren. Wer sich vorab schon einmal über das Können des ICOM-Preisträgers machen will, der kann das hier tun.

Das vollständige Programm findet man auf dem Blog der Roman-Boutique. Dort folgen in den nächsten Tagen auch weitere Informationen. Ich würde mich über jeden Besucher freuen!

Donnerstag, 16. Juni 2011

Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics

Der Tagungs- bzw. Sammelband Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics wird zum Comicfestival München (23. bis 26. Juni, www.comicfestival.de) erscheinen und dort vorgestellt.

Die gleichnamige Tagung fand in der Evangelischen Akademie in Bad Boll vom 29. bis 31. März 2010 statt. Mehr als 20 namhafte ExpertInnen deckten mit ihren Vorträgen und Workshops die Bereiche Geschichte, Theorie, Forschung und Praxis ab.

Im interdisziplinären Rahmen wurden Inhalte, Funktionen, Mechanismen und Wirkungen der Comics von Rechts, der Comics gegen Rechts und von Geschichtscomics mit NS- und Holocaust-Thematik vorgestellt und diskutiert sowie modellhaft Möglichkeiten für die Bearbeitung des Themas und den zielgruppenadäquaten Einsatz entsprechender Comics in Schule und politischer Bildung erarbeitet.

Hier ist ein Bericht über meinen Vortrag, den ich gehalten habe, hier ist der Tagungsbericht der ComFor (Gesellschaft für Comicforschung) und hier ein Artikel von Der Tagesspiegel.

Mein Beitrag ist ein Aufsatz zu dem Thema  „Geschichte des Antisemitismus in Comics“.

Anhand von Dave Sims Judenhass und Will Eisners Das Komplott. Die wahre Geschichte der Protokolle der Weißen von Zion stelle ich darin paradigmatisch „Didaktische Kriterien zur Prüfung der Tauglichkeit für den Schuleinsatz“ (Titelzusatz) heraus.

Generell kann der Band am Besten direkt über den Online-Shop des Archivs der Jugendkulturen bestellt werden sowie über die üblichen Literatur-Internetversandseiten und den Buchhandel (einfach die ISBN-Nr. angeben).

Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics, Ralf Palandt (Hrsg.), ca. 450 Seiten, durchgängig farbig illustriert, Hardcover, 36,- €, ISBN 978-3-940213-62-4


Donnerstag, 5. Mai 2011

"Der Holocaust in Sprechblasen" bald auf Arabisch?

Ich habe von meinem Verlag eine Nachricht bekommen, die darauf deuten lässt, dass mein Buch Der Holocaust in Sprechblasen - Erinnerung im Comic eventuell demnächst in Syrien, Libanon und Ägypten auf Arabisch erscheint. Ich bin da aber noch skeptisch. Mal sehen, was daraus wird.

Diese Anfrage erreichte jedenfalls den Tectum Verlag:

Dear Sir, Ma'am

Hope this email finds you well.
I am writing you to inquire about the rights of these books which published by blue water productions

- Der Holocaust in Sprechblasen by Marco Behringer.

We are  establishing a publishing house in Syria/Lebanon/Egypt, for publishing and translating comic books. The Comic Shop is a publishing house, to be launched in July 2011.


We specialize in publishing comic books in the region. Our aim is to contribute to building the culture of comics in the Middle East as well as translating to Arabic all genres of graphic novels written about our region.

we would like to translate the mentioned books to Arabic, distribute it and make it available to the Arab readers.


Please let me know of the procedures to be taken, in order to make this
happen.

Kindest regards,

Adham Youssef

Sonntag, 13. März 2011

Mondgesicht

Beim Lesen der Trilogie Mondgesicht von Alejandro Jodorowsky und François Boucq sind mir ein paar erschreckende Parallelen zur Katastrophe in Japan (Erdbeben, Tsunami, Reaktorunfall im März 2011) aufgefallen.

Der Auftaktband "Die unsichtbare Kathedrale" von 1993 (Edition Kunst der Comics) führt den Leser in eine alternative Welt ein. Science Fiction und Mystery treffen hier auf handfeste Sozialkritik. Der Titelheld, ein stummer und unschuldig wirkender Sonderling, entpuppt sich als systemstürzender Rebell, der mit den höheren Mächten und der Natur verbunden zu sein scheint.


Auf der Insel (1. Parallele zu Japan) Damanuestra (vergleichbar mit Lateinamerika) hat sich ein totalitärer Überwachungsstaat installiert. Eine Elite von nihilistischen Katholiken (!) steht hinter einem Diktatorenpaar, das sein Volk überwacht und unterdrückt. Der Verweis auf George Orwells 1984 ist unverkannbar.

Die Insel wird regelmäßig von 100 Meter hohen Flutwellen (2. Parallele zu Japan) heimgesucht, so dass sich die Bewohner von Damanuestra schon darauf eingelebt haben: spezielle Bunker, Schleusen, Schotten und zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen gehören zu ihrem Alltag. Die Führungsriege schottet sich in einem hermitschen Stahlpalast vor den hereinstürzenden Wellen ab.



Die Insel wird zudem von einer abergläubischen Gemeinschaft bewohnt, die regelmäßig auf Walfangjagd (3. Parallele zu Japan) geht, um ihr Fruchtbarkeitszeremoniell zu feiern (Japaner nutzen bekanntermaßen Bestandteile des Wales zur Herstellung von Potenzmitteln). Auch wenn die Meeressäuger hier Teohuacan genannt werden, handelt es sich trotzdem um Wale oder ihnen enorm verwandte Tier.


 
Hinzu kommt, dass die Elite des totalitären Regimes über eine fiktive Energiequelle verfügt,: dem Totranium Trotz der fiktiven Bezeichnung handelt es ich hierbei eindeutig um Kernenergie  (4. Paralle zu Japan) bzw. einer Energieform, die der Atomkraft ähnelt. Die Energie wird hauptsächlich für Waffen verwendet., aber auch zur Stromversorgung Die Brennstäbe werden mit Meereswasser gekühlt, wodurch das Meer rings um die Insel radioaktiv verseucht ist.

Ich möchte den Autoren mit dieser Analyse keineswegs irgendwelche prophetischen oder visionären Fähigkeiten zusprechen. Vielmehr trifft hier leider das Murphy-Gesetz zu: "Alles was schief gehen kann, geht schief". Verblüffend sind diese Parallelen trotzdem allemal.


Abgesehen von diesen verblüffenden Parallelen besticht die Serie durch eine Mischung aus phantastischen Elementen wie man sie sonst von Film-Regisseuren wie Terry Gilliam (Brazil, Twelve Monkeys) oder Jean-Pierre Jeunet (Delicatessen).

Doch die Autoren verlassen niemals vollstänidg den Boden der Realität, sondern bleiben mit ihren expliziten systemkritischen Aspekten stets mit einem Fuß in der Wirklichkeit. Lateinamerika hat sehr viele totalitäre Regierungen (gehabt). Neben V wie Vendetta von Alan Moore zählt Mondgesicht meines Erachtens außerdem zu den besten pop-kulurellen Abhandlungen über Faschismus und Anarchie.

Die ersten beiden Bände ("Die unsichtbare Kathedrale" und "Der Stein der Vollendung") wurden von Edition Kunst der Comics verlegt, Band drei ("Das versteinerte Licht") liegt bei schreiber&leser vor. Der erste Band ist vergriffen und kann leider nur noch in Comic-Antiquariaten bestellt werden - z.B. im Comicmarktplatz oder bei Phantastische Zeiten. Natürlich lohnt sich auch eine Anfrage beim lokalen Comichändler.


Sonntag, 6. März 2011

Der neue Patriot

Der neue Patriot - Die dunkle Seite des amerikanischen Traums hat mir mindestens so gut wie Der letzte Amerikaner, wenn nicht sogar noch besser gefallen. Kein Wunder, die Parallelen zu Alan Moores Meisterwerk Watchmen sind unübersehbar. John Smith und Jim Baikie inszenieren eine Anti-Super-helden-Erzählung, die in Punkto Verweisstruk-turen Watchmen fast in keiner Weise nachsteht.

Dekonstruktion 

Das Szenarion ist 2047 angelegt, erinnert aber eher an das Amerika der 1950er Jahre und stellt ähnlich wie Alan Moores V wie Vendetta eher ein Zerrbild der Gegenwart als eine futuristische Zukunftswelt dar.

Der Staat hat die Genmanipulation so weit getrieben, dass er sich Supersoldaten, so genannten Optmen oder Patrioten, herangezüchtet hat, um unliebsame Drecksarbeiten zu erledigen. Die Superhelden erscheinen wie in Watchmen als nur Übermenschen, die letzten Endes auch ihre Fehler haben. Besonders ein zynischer Charakter, der das Töten als Einziger als lustvoll empfindet und skrupelos zur Tat schreitet, erinnert an den Comedian aus Watchmen.


Polyphonie

Der Autor John Smith verzichtet fast vollsändig auf Action-Szenen. Er gibt selbst an vom Kino beeinflusst worden zu sein. Klassiker wie Sidney Lumets Die 12 Geschworenen, Ethan und Joel Coens Blood Simple oder auch Nicolas Roegs Wenn die Gondeln Trauer tragen hätten Smith' Angaben zufolge am meisten Anteil bei der Strukturierung der Erzählung gehabt. Vor allem Lumets Film trägt entscheidenden Anteil daran, dass viele Sequenzen "am Tisch" stattfinden.

Der Zeichner outet sich als vernarrter  Blade Runner- und Brazil-Fan. Die dystopischen Filme von Ridley Scott und Terry Gilliam werden tatsächlich durch eine ganz eigene Ässthetik getragen.

Das merkt man auch den Illustrationen der Comicserie an, die weniger durch High-Tech und Sci-Fi-Spielereien ins Auge fallen, sondern durch gedämpfte Retro-Optik der 1950er Jahre brilliert.

Bemerkenswert sind in erster Linie die Remniszensen an die Kunstgeschichte, die in die Panels immer wieder auftauchen. Als Beispiel sei hier ein Verweis (rechts unten) auf die surrealistische der Malerei, genauer auf ein Bild von Salvador Dali (rechts oben), aufgeführt.

Wie Alan Moore reichert auch Smith seine Serie mit fiktiven Zusatzmaterial zu seinen Patrioten an: Magazine, Filmkritiken, Artikel und Abteilungsmemos runden die Storys nicht nur ab, sondern werfen zusätzliche Perspektiven auf die Charaktere.

Die fast schon karge und anekdotenhafte Gliederung der Serie erinnnert zudem stark an das Werk von J. G. Ballard, Thomas Pynchon oder William S. Burroughs.

Match Cut

Um die herausragende Qualität der  Serie zu veranschaulichen sei hier auch noch auf eine spezielle Montagetechnik hingewieseen, die eher aus der Filmsprache bekannt ist: Dem so genannten "Match Cut". Im unteren Bildbeispiel sehen wir eine spezielle Parallelmontage. Die Autoren springen zwischen zwei Erzählebenen hin- und her. In diesem Fall verbinden sie die beiden Erzählstränge miteinander, indem sie eine Einstellung wiederholgen. In beiden Fällen weisen die Protagonisten  die gleiche Körperhaltung auf. Ihr Dialog beinhaltet jeweils "Er ist tot".

Der Unterschied liegt in im Licht-Schatten-Effekt: Während das linke Panel das Antlitz des Protagonisten im Dunkeln verbirgt, tritt im rechten Panel das Dunkle in den Hintergrund und wird zum Rahmen. Der Erzähler (der Bruder des Jungen im rechten Panel) schildert sein Erlebnis im Voice-Over-Text im linken Panel und wird bei seiner Schilderung durch die Realität eingeholt, die für ihn einen repetitiven Moment  bedeutet. Die Initiationshandlung, die aus dem Charakter im linken Panel einen neuen Menschen gemacht hat, wiederholt sich durch das schicksalhafte Erlebnis seines Bruders, dessen Fisch gestorben ist.




Die abgeschlossene, fünfbändige Serie kann unter anderem bei diesen Anbietern oder auch hier bestellt werden. Zuvor sollte man jedoch einmal bei seinem lokalen Comichändler nachfragen!

Der letzte Amerikaner

Der letzte Amerikaner, auf Deutsch in zwei Bänden in der Bastei Comic Edition erschienen, hat mir so gut gefallen, dass ich hier ein paar Einblicke in die absurd-groteske SF-Satire geben möchte. Der Anti-Held Ulysses Pilgrim - nomes est omen! - wird ob des drohenden nuklearen Holocausts in einen Tiefschlaf versetzt und erwacht in einer menschleeren, postapokalyptischen Welt, die nur noch von Robotern belebt wird, die nicht müde werden, Produkte zu bewerben.


Motive

Mit Motiven aus der postapokalyptischen SF und der Satire präsentieren Alan Grant, Michael McMahon und John Wagner eine eine aberwitzige und sozialkritische Mixtur, die an die Science Fiction eines William S. Burroughs erinnert. Die Autoren greifen aber auch auf ein altes literarisches Erzählmotiv zurück: Das so genannte "Siebenschläfermotiv", das nicht nur ein beliebtes Motiv der Science Fiction geworden ist. Autoren wie Edward Bellamy (Looking Backward 2000-1887) oder H. G. Wells (When the Sleeper Wakes) haben zum Beispiel auf dieses Motiv zurückgegriffen.



Das Szenario erinnert zudem ganz stark an I am Legend, mit dem besagten Unterschied, das die Autoren lakonische, satirische, absurde und groteske Elemente miteinbeziehen, wodurch eine amüsante Erzählung entstanden ist. Hierzu zählen dem Musical entstehende Songeinlagen, die dem Brecht'schen Theater entsprechen, und von Zombies in grotesk-satirischer Weise vorgetragen werden.


Action-Szenen gibt es so gut wie gar nicht. Der Leser begleitet Pilgrim bei seinen desillusionierten Streifzügen durch das von Tod umwitterte Amerika. Der Erzähltext kommt prosaisch und oft auch philosophisch, mit einem verbittertem Unterton daher:

"Ich krieg es nicht auf die Reihe. Leben, Tod, das Universum, den ganzen, verdammten Schmonzes. Ich meine, es kann kein Unfall gewesen sein. Das Leben hat sich von allen Planeten der ganzen Galaxis hier entwickelt, nur damit ich mitten auf dem Friedhof Amerika alleine dahocke und einen kalten Mond verfluche. Was ist mit den vernunftbegabten Menschen passiert? Waren wir alles nur Stadtaffen? Warum hat Gott das nicht verhindert?"

Parallelmontage

Immer wieder setzten die Autoren auffälligerweise das Mittel der Parallelmontage (siehe die beiden Bildbeispiele oben) ein, um den Brückenschlag aus der (buchstäblich) grauen Vergangenheit in die grauenhafte Gegenwartswelt einer verstrahlten und ausgestorbenen Zuukunft zu schlagen. Die drei quadratischen Panels zeigen die Ereignisse aus der Vergangenheit Pilgrims, die unmittelbar zu dessen Einfrierung geführt haben.

Der zweite Band "Willkommen in der Ewigkeit" beginnt sogar mit einer brillant angelegten Parallelmontage (siehe Bildbeispiel unten). Hier stammen beide Ebenen aus der Vergangenheit: Die Panels in der linken Spalte zeigt das Attentat auf John F. Kennedy und die Panels in der rechten Spalte die Geburt Pilgrims. Auf diese Weise wird der Untergang, der Verfall Amerikas, bereits symbolisch in die Wiege Pilgrims gelegt.

Band 1 ("Der lange Winter") ist z.B. hier und Band 2 ("Willkommen in der Ewigkeit") z.B. hier erhältlich. Doch zuerst empfiehlt sich wie immer der Gang zum lokalen Comichändler!