Donnerstag, 18. August 2011

Art meets Comic

Man mag es kaum glauben, aber in der mainfränkischen Metropole Würzburg wird im September die Comic-Flagge gehisst.

Im Rahmen einer Kunstausstellung in der Residenz (Weltkulturerbe!) werden auch Comicveranstaltungen durchgeführt. Ich war natürlich sofort begeistert von dem Projekt und habe meine Dienste angeboten. Doch der Reihe nach...

Wieso, weshalb, warum?

Die Stiftung Zukunft Kultur i.Gr. hat sich der Förderung von Kunst und Kultur verschrieben. Sie stellt jährlich regionale Nachwuchskünstler in der Orangerie des Hofgartens unter dem Label Art in Residence aus.

Dieses Jahr wird im September  ein junger Künstler namens Alex Bumblut zu sehen sein, dessen Werke an die Comickunst angrenzen. Deswegen  trat man folgerichtig auch an die Roman-Boutique heran, ob sie nicht Lust hätten Comicveranstaltungen um die Ausstellung herum zu organisieren und durchzu-führen.

Da konnte natürlich niemand "Nein" sagen, im Gegenteil: das ist selbstver-ständlich Ehrensache! Im Rahmen von Art in Residence werden dieses Jahr zwei Sonderveranstaltungen begleitend zur Ausstellung stattfinden, die sich mit Comics befassen. In einem Comic-Forum wird der Comic als "Neunte Kunst" vorgestellt.

Belehrung - Kunst und Comic

Ich werde über das Thema "Kunst und Comic" referieren und dabei eine Brücke von den Ismen der Kunstgeschichte zum Comic schlagen. Dabei will ich das Werk künstlerisch ambitionierter Comicautoren wie Lorenzo Mattotti oder Kent Williams vorstellen und beispielhaft zeigen, das Comics auch kunstvoll wie Malerei bzw. Bildende Kunst sein können.

Erfahrung - Comics live gezeichnet

In einer zweiten Veranstaltung werden zwei Würzburger Comiczeichner live zeichnen. Die Aktion wird per Kamera gefilmt und durch einen Beamer an die Wand projeziert. Ich werde dabei einem der beiden Künstler, Robert Wenzel, zur Seite stehen, ihn anmoderieren und kommentieren. Wer sich vorab schon einmal über das Können des ICOM-Preisträgers machen will, der kann das hier tun.

Das vollständige Programm findet man auf dem Blog der Roman-Boutique. Dort folgen in den nächsten Tagen auch weitere Informationen. Ich würde mich über jeden Besucher freuen!

Dienstag, 2. August 2011

Lektorat bei eidalon


Ich hab' noch gar nicht geschrieben, dass ich inzwischen auch Lektor bin. Also: ich lektoriere für den eidalon Verlag - so jetzt ist es raus.

Was der Verlag, zu dem auch die Imprints Comickat und Modern Tales gehören, gerade so treibt, kann man am besten in einem Interview mit Stefan Pannor (Pressesprecher, Übersetzer, Redakteur) lesen, das Matthias Hofmann für Comic Report Online geführt hat.

Kindercomic Novotopia

Es freut mich, dass mein erstes Lektorat der Kindercomic Novotopia geworden ist. Denn der Autor und Zeichner dieser SF-Fantasy-Serie stammt (wie ein Teil meiner Vorfahren) von den Philippinen. Rod Espinoza ist ein prämierter Kindercomickünstler.

Seine erste bekanntere Arbeit war The Courageous Princess (dt. Die mutige Prinzessin; Comikat). Dieser Kindercomic führte zu Nominierungen beim Ignatz Award 2000 in den Kategorien "Vielversprechendes neues Talent" und "Bester Künstler". 2002 wurde der Titel in der Kategorie "Bester Titel für junge Leser" für den Eisner Award nominiert.


Nun ist Novotopia als E-Comic erschienen. Der erste Band "Die falsche Prinzessin" kann kostenlos heruntergeladen werden. Alle weiteren Titel (bisher Band 2 "Drei tapfere Retter") sind dann kostenpflichtig (1,99 $).

Inhaltlich geht es um den bewährten Kampf "Gut" gegen "Böse" in einem Post-Wissenschafts-Zeitalter, in dem die Magie und die alternative Energie (die Flugschiffe werden mit Windkraft angetrieben!) zurückgekehrt ist. Das Besondere an Espinozas Artwork ist seine Vorliebe für Widescreen-Bilder, die unmittelbar an die Ästhetik aus Animes von Hayao Miyazaki (Prinzessin Mononoke, Chihiros Reise ins Zauberland) erinnern.
Novotopia wurde für den Max-und-Moritz-Preis 2006 in der Kategorie "Bester Comic für Kinder" nominiert. Die Teile 3-5 sind übrigens auch schon lektoriert und dürften demnächst erscheinen.

Donnerstag, 21. Juli 2011

Zack-Artikel über Kuba-Comics


Das neue Zack-Magazin (Zack 8/2011 (#146)) ist erschienen - und damit verbunden: mein Debüt im traditionsreichen Comicmagazin. Mit dem Artikel "Viva la Revolución!" stelle ich "Die Kubanische Revolution im Comic" auf knapp über zwei Seiten vor. Unten ist die erste Seite als Teaser (zum Vergrößern des Scans bitte Rechtsclicken und dann im neuen Tab/Fenster öffnen).

Außerdem gibt es neben zahlreichen exklusiven Serien (für jeden Geschmack ist etwas dabei) einen interessanten dreiseitigen Artikel "Über Freud und Leid eines Comic-Übersetzers" sowie ein fast vierseitiges Special über "Graphic Novels", indem Graphic Novel-affine Macher wie Jutta Harms (graphic-novel.info), Uwe Garske (edition52) oder Ralf Keiser (Carlsen) in einem Crossover-Interview über die "Chance für den Comic zu mehr Akzeptanz" debattieren.

Das Zack-Magazin erscheint monatlich und kostet 7,90 Euro.

Donnerstag, 16. Juni 2011

Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics

Der Tagungs- bzw. Sammelband Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics wird zum Comicfestival München (23. bis 26. Juni, www.comicfestival.de) erscheinen und dort vorgestellt.

Die gleichnamige Tagung fand in der Evangelischen Akademie in Bad Boll vom 29. bis 31. März 2010 statt. Mehr als 20 namhafte ExpertInnen deckten mit ihren Vorträgen und Workshops die Bereiche Geschichte, Theorie, Forschung und Praxis ab.

Im interdisziplinären Rahmen wurden Inhalte, Funktionen, Mechanismen und Wirkungen der Comics von Rechts, der Comics gegen Rechts und von Geschichtscomics mit NS- und Holocaust-Thematik vorgestellt und diskutiert sowie modellhaft Möglichkeiten für die Bearbeitung des Themas und den zielgruppenadäquaten Einsatz entsprechender Comics in Schule und politischer Bildung erarbeitet.

Hier ist ein Bericht über meinen Vortrag, den ich gehalten habe, hier ist der Tagungsbericht der ComFor (Gesellschaft für Comicforschung) und hier ein Artikel von Der Tagesspiegel.

Mein Beitrag ist ein Aufsatz zu dem Thema  „Geschichte des Antisemitismus in Comics“.

Anhand von Dave Sims Judenhass und Will Eisners Das Komplott. Die wahre Geschichte der Protokolle der Weißen von Zion stelle ich darin paradigmatisch „Didaktische Kriterien zur Prüfung der Tauglichkeit für den Schuleinsatz“ (Titelzusatz) heraus.

Generell kann der Band am Besten direkt über den Online-Shop des Archivs der Jugendkulturen bestellt werden sowie über die üblichen Literatur-Internetversandseiten und den Buchhandel (einfach die ISBN-Nr. angeben).

Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus in Comics, Ralf Palandt (Hrsg.), ca. 450 Seiten, durchgängig farbig illustriert, Hardcover, 36,- €, ISBN 978-3-940213-62-4


Freitag, 6. Mai 2011

Teaser auf den Comic Report

Endlich ist es soweit! Der Comic Report kann ab nächster Woche in den Comicläden eures Vertrauens erworben werden. Das Comic-Jahrbuch ist ein fundiertes Referenzwerk über die sequentielle Kunst und arbeitet im Rückblick das Comic-Jahr 2010 auf.

Im Gegensatz zu vergleichbaren Formaten schließt der Comic Report eine Lücke, indem er die deutschen Verlagen in Marktanalysen unter die Lupe nimmt. Neben zahlreichen kritischen Artikeln zu Events & Jubiläen gibt es auch jede Menge Rezensionen und Interviews. Jeder, der sich mit dem Medium Comic auseinandersetzen will, wird nicht um dieses Fachbuch herumkommen.

Neben Rezensionen habe ich auch einen Artikel über die Comic-Zeitung Comix und Portärts über den Ch. A. Bachmann Verlag sowie über Comicplus+ beigesteuert. Hier sind Auszüge aus meinen Artikeln, quasi als Vorgeschmack. Durch Anklicken vergrößern sich die Abbildungen.

Donnerstag, 5. Mai 2011

"Der Holocaust in Sprechblasen" bald auf Arabisch?

Ich habe von meinem Verlag eine Nachricht bekommen, die darauf deuten lässt, dass mein Buch Der Holocaust in Sprechblasen - Erinnerung im Comic eventuell demnächst in Syrien, Libanon und Ägypten auf Arabisch erscheint. Ich bin da aber noch skeptisch. Mal sehen, was daraus wird.

Diese Anfrage erreichte jedenfalls den Tectum Verlag:

Dear Sir, Ma'am

Hope this email finds you well.
I am writing you to inquire about the rights of these books which published by blue water productions

- Der Holocaust in Sprechblasen by Marco Behringer.

We are  establishing a publishing house in Syria/Lebanon/Egypt, for publishing and translating comic books. The Comic Shop is a publishing house, to be launched in July 2011.


We specialize in publishing comic books in the region. Our aim is to contribute to building the culture of comics in the Middle East as well as translating to Arabic all genres of graphic novels written about our region.

we would like to translate the mentioned books to Arabic, distribute it and make it available to the Arab readers.


Please let me know of the procedures to be taken, in order to make this
happen.

Kindest regards,

Adham Youssef

Freitag, 29. April 2011

Rezension in "Die Sprechblase 221"

Für alle, die das Magazin noch nicht kennen: Die Sprechblase ist ein Comicmagazin über die "Welt klassischer Comics". Für die aktuelle Ausgabe durfte ich eine Rezension beisteuern. Daneben gibt es wieder zahlreiche interessante Artikel, Interviews, Comic-Strips und News.

Schon im Vorwort zu Die Sprechblase 220 hat Chefredakteur Gerhard Förster ein Special über den Luc Orient-Zeichner Eddy Paape angekündigt. Ob der Artikel über die Zeichner-Legende dann aber tatsächlich in Die Sprechblase 221 erscheinen wird, war noch bis vor kurzem völlig unklar.

Nun ist die neue Ausgabe erschienen - und tatsächlich ziert eine Szene aus dem SF-Klassiker Luc Orient das Cover der Sprechblase und kündet damit den Leitartikel über den 90-jährigen Eddy Pappe anlässlich der angekündigten Gesamtausgabe im Ehapa Verlag an.

Mein Beitrag ist eine Besprechung über die Neuauflage von Kamikaze D'Amour von Jamiri, die im Verlag Edition 52 erschienen ist.


Samstag, 23. April 2011

Die Brüder Strugatzki

Hier ist noch ein kleiner Teaser auf meinen Beitrag über die klassischen SF-Autoren Arkadi und Boris Strugatzki für das phantastisch!-Magazin No. 42 (durch Anklicken vergrößert sich der Auszug):

Donnerstag, 7. April 2011

Comic Report vorbestellbar

Es dauert nicht mehr lange und der COMIC REPORT 2011 erscheint endlich. Zwar mit einer kleinen Verspätung (Anfang Mai anstatt April), aber egal! Wer sich nicht gedulden kann oder auf Nummer sicher gehen will, der kann sich jetzt schon vorab ein Exemplar sichern.

Das Jahrbuch, das den Comic durch eine tiefgehenden Marktanalyse, aber auch durch ausführliche Artikel und Rezen-sionen unter die Lupe nimmt, kann ab sofort in der Edition Alfons (bekannt von REDDITION) vorbestellt werden.

Hier ist eine ausführliche Vorschau auf die Rubriken Titel und Dossier (Jerry Spring),  Events und Jubiläen (z.B. mein Artikel "25 Jahre Comicplus+ Durch dick und dünn"), Entwicklungen 2010 (z.B. meine Artikel "Die »Gelbe Reihe« Comicforschung bei Bachmann" und "COMIX: Die Comic-Zeitung. Sammeln oder Wegwerfen?") und Marktanalysen.

Erste Leseproben auf der Online-Seite geben einen Vorgeschmack auf die hohe journalitische Qualität der Texte. Der COMIC REPORT schließt jedenfalls eine Lücke innerhalb der deutsprachigen Comic-Szene und gibt einen Überblick, der in Zeiten des Internets durch einen unsystematischen Datendschungel und unsor-tierte Infoflut herrscht.




Sonntag, 13. März 2011

Mondgesicht

Beim Lesen der Trilogie Mondgesicht von Alejandro Jodorowsky und François Boucq sind mir ein paar erschreckende Parallelen zur Katastrophe in Japan (Erdbeben, Tsunami, Reaktorunfall im März 2011) aufgefallen.

Der Auftaktband "Die unsichtbare Kathedrale" von 1993 (Edition Kunst der Comics) führt den Leser in eine alternative Welt ein. Science Fiction und Mystery treffen hier auf handfeste Sozialkritik. Der Titelheld, ein stummer und unschuldig wirkender Sonderling, entpuppt sich als systemstürzender Rebell, der mit den höheren Mächten und der Natur verbunden zu sein scheint.


Auf der Insel (1. Parallele zu Japan) Damanuestra (vergleichbar mit Lateinamerika) hat sich ein totalitärer Überwachungsstaat installiert. Eine Elite von nihilistischen Katholiken (!) steht hinter einem Diktatorenpaar, das sein Volk überwacht und unterdrückt. Der Verweis auf George Orwells 1984 ist unverkannbar.

Die Insel wird regelmäßig von 100 Meter hohen Flutwellen (2. Parallele zu Japan) heimgesucht, so dass sich die Bewohner von Damanuestra schon darauf eingelebt haben: spezielle Bunker, Schleusen, Schotten und zahlreiche Sicherheitsvorkehrungen gehören zu ihrem Alltag. Die Führungsriege schottet sich in einem hermitschen Stahlpalast vor den hereinstürzenden Wellen ab.



Die Insel wird zudem von einer abergläubischen Gemeinschaft bewohnt, die regelmäßig auf Walfangjagd (3. Parallele zu Japan) geht, um ihr Fruchtbarkeitszeremoniell zu feiern (Japaner nutzen bekanntermaßen Bestandteile des Wales zur Herstellung von Potenzmitteln). Auch wenn die Meeressäuger hier Teohuacan genannt werden, handelt es sich trotzdem um Wale oder ihnen enorm verwandte Tier.


 
Hinzu kommt, dass die Elite des totalitären Regimes über eine fiktive Energiequelle verfügt,: dem Totranium Trotz der fiktiven Bezeichnung handelt es ich hierbei eindeutig um Kernenergie  (4. Paralle zu Japan) bzw. einer Energieform, die der Atomkraft ähnelt. Die Energie wird hauptsächlich für Waffen verwendet., aber auch zur Stromversorgung Die Brennstäbe werden mit Meereswasser gekühlt, wodurch das Meer rings um die Insel radioaktiv verseucht ist.

Ich möchte den Autoren mit dieser Analyse keineswegs irgendwelche prophetischen oder visionären Fähigkeiten zusprechen. Vielmehr trifft hier leider das Murphy-Gesetz zu: "Alles was schief gehen kann, geht schief". Verblüffend sind diese Parallelen trotzdem allemal.


Abgesehen von diesen verblüffenden Parallelen besticht die Serie durch eine Mischung aus phantastischen Elementen wie man sie sonst von Film-Regisseuren wie Terry Gilliam (Brazil, Twelve Monkeys) oder Jean-Pierre Jeunet (Delicatessen).

Doch die Autoren verlassen niemals vollstänidg den Boden der Realität, sondern bleiben mit ihren expliziten systemkritischen Aspekten stets mit einem Fuß in der Wirklichkeit. Lateinamerika hat sehr viele totalitäre Regierungen (gehabt). Neben V wie Vendetta von Alan Moore zählt Mondgesicht meines Erachtens außerdem zu den besten pop-kulurellen Abhandlungen über Faschismus und Anarchie.

Die ersten beiden Bände ("Die unsichtbare Kathedrale" und "Der Stein der Vollendung") wurden von Edition Kunst der Comics verlegt, Band drei ("Das versteinerte Licht") liegt bei schreiber&leser vor. Der erste Band ist vergriffen und kann leider nur noch in Comic-Antiquariaten bestellt werden - z.B. im Comicmarktplatz oder bei Phantastische Zeiten. Natürlich lohnt sich auch eine Anfrage beim lokalen Comichändler.